¿Que Pasa? in Germany
 

¿QUE PASA? MAGAZINE GERMANY

Sebastian Schunke spricht mit ?Que Pasa“

Magazin über seine Entwicklung weg von einem

klassisch geschulten Pianisten, hin zu einem

Latin Musiker. Schunke erzählt von seinen Leben

in den Musikwelten von New York und

Deutschland und seinen Zielen als Musiker..

durch Laurinda Young

 


"Die Sebastian Schunke Band, mit der kubanischen Sängerin Olvido Ruiz, stahlen allen anderen die Show"
(that´s Shanghai, Shanghai, China)

'Vida Pura'
Sebastian Schunke meets Olvido Ruiz


¿Que Pasa?: Stammst Du aus einer Musikerfamilie ? In welchem Alter hast Du angefangen Klavier zu spielen ?

Sebastian: AIch komme nicht aus einer Musikerfamilie. Meine Eltern haben es mir aber ermöglicht, dass ich mit sechs Jahren bereits Klavier spielen lernen durfte und zusätzlich zu meinem Klassikunterricht ab meinem 12. Lebensjahr noch Jazzunterricht nahm. Aber Anfangs hatte niemand daran gedacht, dass ich einmal professioneller Jazzmusiker werden würde..

¿Que Pasa?: Ich weiß Du bist klassisch trainiert. Wann begann Dein Interesse für Latin Jazz und Jazz ??

Sebastian: Obwohl wir in einer typisch deutschen Kleinstadt lebten, hatten wir Glück, dass es eine tolle Musikschule mit einem super Jazz Klavierlehrer gab, der ein faible für Latin Jazz hatte. Eigentlich hatte mein Bruder bei diesem Lehrer (Kurt Klose) unterricht und ich durfte meinen Bruder einmal ersetzen, als dieser keine Zeit hatte. Die Stunde war für mich das Aha-Erlebnis, wir machten sogar direkt ein paar Montunos (Bezeichnng für bestimmte Klavierfiguren im Latin und Salsa).So wurde ich wirklich süchtig nach Latin Jazz von diesem Tag an, und da war ich zwölf. Ich hatte dann parallel Klassik und Jazz Unterricht..

Que Pasa ?: Ich bin neugierig, wie jemand der vermutlich mit deutscher Kultur und Einflüssen aufgewachsen ist, sich so für Latin Musik interessieren kann – wie ist das passiert ?.

Sebastian: Ausschlaggebend war wie erwähnt mein 1. Jazzklavierlehrer – er hat eine richtig kleine Latin Jazz Community in der Schule und Hannover initiiert. Mit meinen Freunden haben wir damals alle CDs von
Eddie Palmieri, Tito Puente, Charlie Palmieri, und vielen anderen angehört und nachgespielt. Wir haben also unsere Latin Jazz Community gegründet – ein wenig eigenartig für eine kleine Vorstadt in Deutschland – aber es passierte – und darüber bin ich sehr froh.
Es war vor allem die Energie der Musik von Eddie (Palmieri), die die Begeisterung ausgelöst hat, auch wenn ich Anfangs die ganzen Rhythmen noch nicht alle richtig verstand. Ich habe mich dann aber hingesetzt und mit den Platten die Musik ernsthaft studiert.
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¿Que Pasa?: Was hat Dich bewegt nach New York zu ziehen?

Sebastian: Die Stadt hat schon immer eine besondere magische Ausstrahlung für mich gehabt – und natürlich dort lebten sie alle meine damaligen Vorbilder des Latin Jazz und des Jazz. Ich wusste es würde hart sein nach New York zu gehen, da das Leben dort sehr teuer ist. Zum Glück hatte ich ein Stipendium (aber für Jura). In New York habe ich dann alle meine Kraft und Energie in die Musik gegeben – New Yokr hat mir geholfen an mich und meine Musik zu glauben und ein professioneller Musiker zu werden.

¿Que Pasa?: Fühlst Du Dich hingezogen zur lateinamerikanischen Kultur und Musik?

Sebastian: Total ! Ich habe sehr starke Gefühle für Lateinamerika. Klar, ich sehe auch die großen kulturellen Unterschiede zu Europa und die Arten das Leben zu leben und zu betrachten – aber ich Liebe den Spirit die Energie der vieler Lateinamerikaner und deren Liebe zur Musik. Das tolle ist, dass Musik wie eine wunderbare Brücke zwischen den Kulturen wirken und so Gegensätzliches zu Neuem vereint werden kann.

¿Que Pasa?: Beschreib die erste Band in der Du gespielt hat !

Sebastian: Ich war 13 Jahre alt und die Band hieß „Sax and Crime“, der Titel war für mich als 13 jährigen ganz schön unangenehm. Wir haben viel Eddie Palmieri gespielt aber auch angefangen eigene Songs im Latin Stil zu schreiben. Wir waren alle gute Freunde und hatten super viel Spaß!

¿Que Pasa?: Würdest Du Deine Band als „Crossover“-Band bezeichnen oder magst Du den Begriff nicht ? Welchen anderen Begriff würdest Du wählen?

Sebastian: Crossover“ hat bisher noch niemand zu meiner Musik gesagt. Aber wenn ich darüber nachdenke, kann man das gut so nennen, da ich ja verschiedene kulturelle und musikalische Strömungen in meinen Kompositionen verarbeite. Wenn ich aber aktiv komponiere oder musiziere mache ich mir keine Gedanken, ob das Stück verschiedene Musikrichtungen vereint und damit Crossover ist oder nicht. Ich achte vor allem auf die Energie beim Musik machen, der Rest ergibt sich von selbst, aus sich heraus der musikalischen Erfahrung die ich gesammelt habe, die natürlich ganz Stark von der europoäischen Kultur beeinflusst ist und dann wiederum von den lateinamerikanischen Rhythmen. Das Ergebnis ist dann oft „Crossover“.

¿Que Pasa?: Wer hat Dich musikalisch beeinflusst ? Chick Corea und Chopin wurden in Deinem Zusammenhang erwähnt.

Sebastian: Stimmt Chick Corea hat mich neben Eddie Palmieri und Gonzalo Rubalcaba sehr beeinflusst für den Jazz Bereich. Im Klassik-Bereich habe ich viel Chopin aber auch Schumann und Brahms sehr gerne gespielt. Jetzt sind es auch viele moderne Komponisten wie Messiaen oder Ligeti die mich fesseln. Im Bereich des Jazz sind Miles Davis, Keith Jarrett oder Herbie Hancock für mich herausragende Persönlichkeiten. Aber gerade der Austausch in der aktiven Szene in Berlin oder New York ist mittlerweile fast die größte Inspirationsquelle.

¿Que Pasa?: Versuchst Du die Linie zwischen Klassik und Latin zu entfernen ? Hast Du beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass Leute die Interesse an klassischer Musik haben übder Dich zum Latin gefunden haben oder umgekehrt?

Sebastian: Im Grunde will ich den Leuten gute Musik, meine Musik mit viel Energie näher bringen. Sie sollen diese Energie im Konzert beim Hören der CD erfahren – ob ich Leute von der einen auf die andere Seite ziehe weiß ich nicht, glaube ich aber nicht, da meine art des Latin Jazz doch sehr Komplex und anspruchsvoll ist, so dass man sich im Grunde mit dem Latin Jazz schon sehr auskennen muss, um genau die veränderten Rhythmen zu verstehen.

¿Que Pasa?: I hage gemerkt, dass Du ein Gedicht von Pablo Milanés benutzt (todos los ojos). Warum hast Du diese „Lyrics“ verwendet ? Milanés ist sehr bekannt für seine revolutionären wie Liebesthemen. Sind politische Botschaften in einigen von Deinen Songs?

Sebastian: Es war Olvidos Idee, das Gedicht von Milanés zu benutzen. Sie hat mir eine Version davon auf unserer Tournee in China vorgespielt und sofort habe ich die „Lyrics“ geliebt. Es war für mich dann eine besondere musikalische Herausforderung ein so tiefes Gedicht von einem so bekannten Mann musikalisch gut umzusetzen und so habe ich mich harmonisch sehr viel gewagt in dem Stück und ich hoffe es gefällt.
Direkte politische Botschaften haben meine Songs nicht, aber ich will den Menschen die reine Energie von tiefer Musik näher bringen, dadurch erreicht man hoffentlich oft mehr als durch platte politische Botschaften. Wenn du einen Song ernsthaft mit viel Leidenschaft komponierst und aufführst dann kannst Du hoffentlich bei den Menschen ganz viel lostreten, was sich vielleicht dann auch politisch irgendwann niederschlägt.

¿Que Pasa?: Du warst der kulturelle Botschafter Deutschlands, als Du mit dem Bundespräsidenten in Afrika unterwegs warst. Wie kam es dazu ? Welche Erinnerung hast Du an die Reise ?

Sebastian: Dank einer Auswahl des Goehte-Institutes wurden wir für die Reise des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Dass war eine unglaubliche Ehre für mich und meine Musiker. Es war eine super Reise mit ganz tollen intensiven Erfahrungen im Austausch mit den afrikanischen Musikern Die Behandlung in der deutschen Delegation war super – es war toll zu sehen, dass die Afrikaner in Benin und Äthiopien meine Musik total abgefeiert haben. Für meine Musiker, alles schwarze Lateinamerika war

es ein ganz besondere Moment an dem Ort zu spielen von dem aus die Sklaverei hauptsächlich betrieben wurde und vor vielen Jahren Ihre Vorfahren nach Kuba beispielsweise verschifft wurden.

¿Que Pasa?: Welche Latin Bands magst Du?

Sebastian: Ich liebe Irakere, Los Van Van, Eddie Palmieri, Orishas und Batacumbele um nur einige zu nennen.

¿Que Pasa?: Was für andere Musik hörst Du?

Sebastian: ,Ich höre viel Musik von Miles Davis, Herbie Hancock, Keith Jarrett, Bill Evans, Wayne Shorter, Ligeti, Messiean. Brahms, A tribe Called Quest, Incognito, Mars Volta und viel mehr.

¿Que Pasa?: Gibt es noch andere Einflüsse auf Deine Musik?

Sebastian: Ja natürlich, das Leben selbst hat den Haupteinfluss auf meine Musik.

¿Que Pasa?: Hast Du Deine eigene Band oder triffst Du Dich mit verschiedenen Musikern für verschiedene Projekte ?

Sebastian: Der Hauptfokus liegt auf meiner eigenen Musik. Aber in meinen verschiedenen Projekten benutze ich fast immer Musiker aus demselben magischen Kreis, aus Berlin, New York und Kuba. Ich arbeite mit den Musikern seit mehreren Jahren zusammen.

¿Que Pasa?: Dein letztes Album hast Du mit Olvido aufgenommen. Kannst Du uns etwas über ihren Hintergrund erzählen ?

Sebastian: Olvido ist ein tolle Sängerin mit einem super Feeling für meine Musik. Sie hat früh angefangen professionell zu singen und ist die Tochter der berühmten Sängerin „Jaquelin Castellanos“.

¿Que Pasa?: I nehme an Sie ist Kubanerin. Warum und wann hat Sie Kuba verlassen?

Sebastian: Ja Sie ist 100 % Kubanerin !! Vor 4 Jahren hat Sie Kuba verlassen. Der Rest ihrer Familie war bereits in Europa. Wegen der dortigen Umstände und wegen ihrer Familie hat Olvido Kuba verlassen.

¿Que Pasa?: Hast Du schon für eine „salsa dance crowd“ gespielt ?

Sebastian: Nicht mit meiner eigenen Musik, dann müsste man als Tänzer extrem versiert in modernen Rhythmen sein – wäre aber toll zu sehen ! Ich werde als Special Guest von Salsa Bands ab und zu eingelanden für Parties zu spielen, dass macht Spaß ab und zu zu spielen damit die Leute Salsa tanzen.

¿Que Pasa?: Welches sind Deine Pläne ?

Sebastian: Jetzt sind zunächst Tourneen nach Kolumbien, China, Laos und Japan geplant sowie vereinzelt Konzerte in Deutschland. Mit meinem guten Freund Nene Vasquez bin ich gerade mitten in der Produktion für meine 4. CD und ja ich hoffe viel meine Musik weltweit auf tollen Festivals und Clubs spielen zu dürfen um den Leuten die Energie meiner Musik näher zu bringen und viele Kulturen kennen zu lernen; denn das ist ja das tolle am Leben.

¿Que Pasa?: _Zu guter Letzt: Magst Du tanzen ?

Sebastian: Ich liebe tanzen ! Aber ich kann bestimmt nicht so gut Salsa tanzen wie die Leute die regelmäßpig Eure Seite besuchen, aber es macht mir viel Spaß !

 

Sebastian

Mehr infos unter: www.sebastianschunke.com oder unter der Rubrik CD-Reviews
www.sebastianschunke.com // www.termidor.com )

© Interview durch Laurinda Young
Edited von Lin Skyte 19 Juni 2007